"Als sie der Versuchung einmal nachgegeben hatten, war ihre Freiheit vom Verlangen besiegt. Sie wollten mehr. Gott wußte: bei diesem einen Baum würde – ja konnte – es nicht bleiben..."
Kein Alkohol, keine Drogen, keine Zigaretten; nicht mal Schokolade würde mich in Versuchung treiben. Ich bin wirklich frei von jeder schlimmen Sucht! Oder?
Wie frei bin ich wirklich? Sind meine alltäglichen "Gewohnheiten" und Hobbys wirklich so harmlos, oder mache ich mir – und anderen – da selbst etwas vor?
Wenn es keine Sucht wäre, könnte ich es ja jederzeit aufgeben, ohne dass es mir etwas ausmacht. Wenn es keine Abhängigkeit wäre, würde ich ohne diese Dinge ja genauso zufrieden durchs Leben gehen. Und selbst wenn: ist das nicht normal, dass sich jeder Mensch auf dieser Welt auch nach etwas Trost, Sicherheit, Vergnügen und Liebe sehnt?
Machen wir mal den Selbsttest mit Dingen, die ich mit Sicherheit nicht als "Sucht" bezeichnen würde:
- Kaffee. Klar, ich kann gut ohne leben - wenn ich keinen Zucker oder Milch dazu habe. Aber wenn beides da ist, warum sollte ich darauf verzichten?! Dieser Duft.......
- Freecell. Ach was, diese kleinen Spielereien zwischendurch. Nur bei Langeweile natürlich. Aber warum widme ich diese Zeit nicht lieber Gott?
- Geld. Ist doch lebensnotwendig; ohne Geld kein Kaffee ;-) Je mehr Geld, desto mehr Kaffee. Oder Fair Trade-Kaffee – dann tu ich auch noch was für die armen Menschen in Südamerika. Und ansonsten bin ich sehr sparsam – andere würden das vielleicht sogar als geizig bezeichnen. Aber man muss doch sehen, wo man bleibt!?
- Versicherungen. Rente, Auto, Fahrrad, Hausrat, Brand, Marder, Kinder, Ausbildung, Reiserücktritt, Zahnarzt, Einzelzimmer, Chefarzt, ... Da wäre ich ja völlig aufgeschmissen ohne!
- Sport. Mein Körper ist doch der Tempel des Heiligen Geists – der muss picobello sein! Wenn ich zuviel gegessen habe, müssen die Pfunde wieder runter, um jeden Preis. Ich will Muskeln, kein Fett!
- Kosmetik. Ohne Schminke auf die Straße?? Niemals. Dann würden die Leute ja sehen, wie ich wirklich aussehe. Was das kostet, ist doch egal – Hauptsache das Ergebnis stimmt.
- Rosamunde Pilcher. Natürlich fesselt mich daran vorallem der ausgefeilte Schreibstil der Autorin, was sonst. Und bei dem Regenwetter ist Lesen doch eine vernünftige Beschäftigung. Ach, und die Geschichten gehen immer so zu Herzen...
Oooh, ich stelle fest, mir fallen immer mehr Sachen ein (für Vollständigkeit übernehme ich keine Gewähr), die ich von meiner Gewohnheitsliste nur ungern streichen möchte. Aber zu meiner Selbstverteidigung: nicht alle o.g. Dinge stehen wirklich auf meiner persönlichen Liste, seien aber beispielhaft für euch da draußen genannt ;-)
Aber seien wir mal ehrlich – und John Eldredge hat es hier genau auf den Punkt getroffen, wie ich finde: Kommt euch nicht auch manchmal der Gedanke, dass wir mit der Erfüllung all unserer lieben Gewohnheiten und innerem Verlangen eigentlich keinen Gott mehr brauchen? Wären wir dann nicht auch ohne Gott glücklich? Wenn wir alles haben, was wir brauchen und wir gar nicht mehr wissen, was wir uns wünschen sollten – ist Gott dann nicht überflüssig?
Warum sehne ich mich nach so vielen kleinen, unbedeutenden, schädlichen "Dingen" auf der Welt, anstatt mich nach mehr Nähe zu Dem zu sehnen, der mir das Leben in aller Fülle schon bietet?! Ich hoffe, ich ertappe mich in Zukunft viel öfter bei diesem Gedanken und komme wieder "zur Besinnung" auf das, was wirklich zählt – anstatt mich bei Gott zu beschweren, wenn Er mir dieses oder jenes kleine "Vergnügen" nicht gönnt...

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