Wir beschäftigen uns im Hauskreis zur Zeit mit dem Römerbrief. Beschäftigen heißt, ein Kapitel lesen und diskutieren. Das Diskutieren führt automatisch dazu, dass wir uns nicht nur mit Römer, sondern auch viel mit dem alten Testament "beschäftigen", weil sich Paulus ja in jedem zweiten Satz darauf bezieht.
Letzte Woche ging es dabei um Abraham und Gottes Versprechen, aus ihm eine Nation zu machen. Paulus führt Abraham in Kapitel 4 als einen Mann vor, der durch seinen unerschütterlichen Glauben an Gott vor diesem gerecht wurde. Wir lesen das so und merken beim direkten Vergleich mit 1. Mose 15-17, dass Paulus da entweder uns was vormachen will oder er sich selbst etwas schönredet. In den beiden Kapiteln ist nämlich keine Rede davon, dass Abraham so felsenfest auf Gott vertraut, im Gegenteil – er nimmt den guten Rat seiner Frau Sarah an und versucht seines eigenen Glückes Schmied zu sein, indem er Hagar schwängert (weil Sarah schon so alt ist und er nicht glaubt, dass sie noch schwanger werden kann).
Also doch kein so perfekter Gläubiger wie Paulus ihn hinstellt, denke ich mir und schreib auch noch auf, dass das ein Beispiel für uns ist, dass Abraham auch nur ein normaler Mensch wie ich und du war, und Gott halt gnädig. Auch Paulus kann schließlich irren.
Heute kommen wir wieder auf diese Stelle zurück und ich stelle fest, dass nicht Paulus irrt, sondern ich selbst (natürlich!)...
In Kapitel 17 wird nämlich deutlich, dass Sarah zunächst bei dem Versprechen Gottes (Kapitel 15) gar nicht involviert war und mit keiner Silbe erwähnt wurde. Folglich hat Abraham sich auch gar nichts dabei gedacht, seine Nachkommen mit Hagar zu zeugen; das war für Ihn (und auch Sarah) einfach die erfolgversprechendste Methode. Erst in Kapitel 17, als Gott auch zu Sarah spricht und ihr selbst einen Sohn verspricht, wird Abraham klar, dass er den falschen Weg eingeschlagen hatte.
Er war also nicht ungläubig und zweifelte auch nicht an der Zusage Gottes, von Sarah einen Sohn zu bekommen, weil Gott sie – in erster Instanz überhaupt nicht einbezogen hatte.
Wie gut, dass Gott mich doch immer wieder auf den richtigen Weg zurückbringt, wenn ich mich selbst verfranse – und das auch noch gut finde… Auch aus den unmöglichsten Dingen kann Gott immer noch Gutes erwirken. Egal wie verfahren und planlos wir Menschen oft durch unseren Alltag irren, Gott hat echt immer den Durchblick.

1 comment:
stimmt schon, dass man sich schnell verfranst - geht mir auch oft so. aber deswegen habe ich für mich jetzt einen echt guten "Helfer" an der hand: wenn ich vers für vers, kapitel für kapitel durch ein buch der Bibel gehe, dann versuche ich auch einen Bibelkommentar (oder 2 oder 3) in der Vorbereitung zu konsultieren, damit man auch den geschichtlichen kontext und so kennt :)
das hilft ungemein, da man dann nicht aus der eigenen perspektive liest, sondern aus der historisch richtigen. z.B. dass die sache mit der magd damals "gang und gäbe" war, er also nur das gemacht hat, was damals rechtlich anerkannt war.
wenn man den hintergrund kennt, merkt man erst, wie WAHR die bibel ist und wie reich! :) dann korrigiert sie einen ständig - und man selbst findet keine fehler mehr an ihr, sondern sie an uns :)
be blessed!
Post a Comment